Der Landes-Segler-Verband Baden-Württemberg wählt erstmals eine Frau an seine Spitze

Die Corona-Pandemie hat alle Bereiche des Lebens im Griff. Auch die Mitgliederversammlung des Landes-Segler-Verbands Baden-Württemberg wurde dadurch unmöglich gemacht. Statt die für März geplante Präsenzveranstaltung auf unbestimmte Zeit zu verschieben, fand die Vorstandswahl im Umlaufverfahren statt.

Über zwei Drittel der Vereine gaben bis zum 10. Juli ihre Stimmen ab und wählten Gabriele Kromer-Schaal zur neuen Vorsitzenden. Bereits 2018 wurde Kromer-Schaal zur Stellvertreterin von Reinhard Heinl gewählt und ist deshalb mit den Aufgaben dieses Amtes bereits bestens vertraut. Seit die geplante Mitgliederversammlung abgesagt werden musste, kümmerte sie sich darum, dass die laufenden Geschäfte des Verbandes satzungskonform fortgeführt werden konnten.
Gabriele Kromer Schaal hat 30 Jahre Erfahrung im Segel- und Motorbootclub Überlingen (SMCÜ) in verschiedenen Vorstandsämtern gesammelt, war zuletzt acht Jahre lang Vorstand ihres Heimatclubs und engagierte sich parallel dazu im Vorstand der Gemeinschaft für Seefahrt (GfS) als Vizepräsidentin und Schatzmeisterin. Im Herbst 2013 wurde sie in den Seglerrat des DSV gewählt, dessen stellvertretende Vorsitzende sie ist.
Auf die Frage, was sie dazu bewogen hat, für den Vorsitz des Landes-Segler-Verbands zu kandidieren, hat sie eine einfache Antwort parat: „Nachdem unsere beiden Söhne während ihrer Schulzeit mit Unterstütztung durch den Landes-Segler-Verband Baden-Württemberg, eine erfolgreiche Leistungskarriere absolviert haben, fühlte ich eine Art Verpflichtung, dem Verband etwas zurückzugeben“.
Gabriele Kromer-Schaal ist in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung. Nach Mona Küppers in Nordrhein-Westfalen, die 2013 in das Präsidium des Deutschen Seglerverbands (DSV) wechselte und seit 2017 als erste Frau in der 130-jährigen Geschichte den Verband als Präsidentin vertritt, ist sie derzeit die einzige gewählte Vorsitzende eines deutschen Landes-Segler-Verbands.
Noch wird der Segelsport von Männern dominiert, sowohl im sportlichen- als auch im Funktionärsbereich. Eine weltweite Umfrage ergab, dass das Geschlechterverhältnis im Segelsport nicht ausgeglichen ist und Frauen diskriminiert werden. Trotzdem stellt Kromer-Schaal in den letzten Jahren eine erfreuliche Veränderung fest und freut sich, dass immer mehr Frauen Verantwortung in Führungspositionen übernommen haben. „Als ich 2003 zur Präsidentin beim SMCÜ gewählt wurde, war das in Deutschland noch ein absolutes Novum“, sagt sie.

Ihr Vorgänger im Amt, Reinhard Heinl, jedenfalls, ist von ihrer Qualifikation mehr als überzeugt: „Frau Kromer-Schaal ist eine seit Jahrzehnten erfahrene und engagierte Vertreterin des Segelsportes, Sie wird den Verband mit seinen Aufgaben bestens als Vorsitzende führen“, sagt er.
Nach 25 Jahren an vorderster Front und über 45 Jahren in Ehrenämtern beschloss Heinl für den Vorsitz nicht mehr zu kandidieren. Das sei keine Resignation aber einfach etwas Tribut an das Alter. „Die Entscheidung dazu ist mir nicht schwergefallen, alles hat seine Zeit und ich habe mich bemüht, ein bestelltes Feld zu übergeben“, sagt er. So fallen in seine Amtszeit wichtige Entwicklungen wie die nachhaltige Integration des Landes-Leistungszentrums Segeln in Friedrichshafen in die Leistungssportszene und damit verbunden die Einrichtung eines Bundesnachwuchsstützpunktes Süd durch den DSV im Jahr 2014. Herausragende Leistungsseglerinnen und Leistungssegler aus Baden-Württemberg konnten auf Olympia vorbereitet werden und die Vereine finden eine bestens aufgestellte Geschäftsstelle in Friedrichshafen vor.

Jürgen Graf, seit 2009 Beisitzer des Fachbereichs Wettsegeln, wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, bleibt seinem Fachbereich aber erhalten. „Ich freue mich über die Wiederwahl und die seit vielen Jahren sehr gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Landes-Segler-Verbands und meinem Lehrteam“, sagt er. Zu diesem gehören aktuell sechs Personen, die sich gemeinsam um die Aus- und Weiterbildung von Regattaseglern und Wettfahrtoffiziellen kümmern. Hierzu werden vom Landes-Segler-Verband regelmäßig Seminare für Regelkunde, Grund- und Aufbauseminare für angehende Wettfahrtleiter und Schiedsrichter angeboten.
Seit bald 40 Jahren engagiert sich Jürgen Graf für seinen Verein. Vor allem in der Theorieausbildung zu den Wassersportführerscheinen und als Regattasegler hatte er sich schon seit seiner Jugend intensiv mit dem Regattasport und den Wettfahrtregeln auseinandergesetzt und trat vor 20 Jahren dem Lehrteam des Landesverbands bei.
Doch warum möchte Graf als stellvertretender Vorsitzender in diesem Bereich weiter machen? „Weil es einfach Spaß macht, weil wir ein super Team sind, weil man nie auslernt und weil man vielfältige Kontakte knüpft“, sagt er.

Auch Hartmut Desiderato, Mitgliede des Seglerrats des DSV und seit 1992 Obmann für Talent- und Leistungsförderung im Landes-Segler-Verband, wurde in seinem Amt erneut bestätigt. Der ehemals aktive Regattasegler und Trainer wird sich auch weiterhin um den seglerischen Nachwuchs bemühen.

Neu im Verband ist nur Christian Munz. Von Gabriele Kromer-Schaal übernimmt er jetzt das Amt des Schatzmeisters, das diese zuletzt kommissarisch innehatte. Dem gelernten Bankkaufmann mit BWL-Studium ist das Thema Finanzen nicht fremd. Buchführung und Rechnungslegung gehören zu seinem täglichen Brot und in seinem Verein, der Studentischen Seglergemeinschaft Stuttgart, übt er das Amt eines Kassenprüfers aus. Nach eigenem Bekunden liegen dem langjährigen Segler „klar Schiff“ zu machen und gute Organisation im Blut. „Ich freue mich über das neue Ehrenamt“, sagt er. „Ich bin gespannt auf die Aufgaben und motiviert, für die Mitglieder das Beste heraus zu holen“.

Das liegt auch der neuen Vorsitzenden am Herzen. Gerne möchte Gabriele Kromer-Schaal die Vereine an den Bodensee fernen, kleineren Gewässern mehr in die Verbandsarbeit einbinden, um deren Interessen besser wahrzunehmen zu können. Gleichzeitig hat sie die Erweiterung des Portfolios und dabei die Freizeit- und Fahrtensegler im Blick. Auch das Thema Umwelt- und Naturschutz wird weiter in den Vordergrund rücken. Schließlich stellt der aktuelle Generationswechsel unter den aktiven Seglern eine neue Herausforderung dar, der den Verband vor neue Aufgaben stellen könnte. Doch diese scheut sie nicht: „Ich freue ich mich über die Wahl und das große Vertrauen welches mir entgegengebracht wurde“, sagt die erste Frau im Amt des Vorsitzenden. „Die Wahlbeteiligung im schriftlichen Umlaufverfahren war viel höher als das bei einer Präsenzversammlung der Fall gewesen wäre. Das motiviert mich zusätzlich die Mitgliedsvereine mit meiner Tätigkeit nicht zu enttäuschen“.

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