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Reinhard Heinl war 26 Jahre lang ein streitbarer Vorsitzender des Landes-Segler-Verbandes

26 Jahre lang war Reinhard Heinl Vorsitzender des Landes-Segler-Verbandes Baden-Württemberg. Bei der – per Umlaufverfahren durchgeführten – Wahl im Sommer 2020 zog er sich von der Spitze des Verbands zurück.

 

Ob Breiten- oder Leistungssport, Fördermöglichkeiten für Vereine oder Widerstand gegen Einschränkungen des Wassersports - Heinl hat überall Akzente gesetzt. „Er hat sich für den Wassersport in seiner gesamten Vielfalt unermüdlich und mit Nachdruck eingesetzt“, fasst es seine Nachfolgerin Gabriele Kromer-Schaal zusammen.

Segeln stand schon in früher Jugend bei Reinhard Heinl im Mittelpunkt. Erste Erfahrungen auf einer Jolle hatte er auf dem Alpsee gesammelt. Denn in Kempten hatte er – geboren 1943 in Marienbad und mit der Mutter bei Kriegsende vertrieben – eine neue Heimat gefunden, lernte dort in der Druckerei der Allgäuer Zeitung. Der Ausbildung zum Schriftsetzer ließ Heinl noch ein dreijähriges Studium an der FH für die grafische Industrie in Stuttgart folgen. Im Frühjahr 1969 bekam er bei der Druckerei des Südkurier in Konstanz eine Stelle. Vom Assistenten der Geschäftsleitung stieg er auf bis zum technischen Leiter und Prokuristen, war dort bis 2005.
Heinl bestaunte damals die „riesigen Schiffe“ auf dem Bodensee, hörte sich nach einer Mitsegelgelegenheit um und wurde auf den Konstanzer Yacht-Club aufmerksam.
„Da sind viele froh, wenn junge Burschen mitfahren“, erklärte ihm ein Kollege - und wenig später heuerte Heinl in der Crew des 75er Nationalen Kreuzers „Föhn“ an, lernte da das Segeln mit Dickschiffen. „Gerefft haben wir erst, wenn wir in Lee bis zu den Knien im Wasser standen.“ Auf der Föhn hatte Heinl auch die „Rund um“ gewonnen. Der Kreuzer war eh schon der leichteste dieser Klasse am See. Angesichts der erwarteten Flaute wurde die komplette Ankerkette auf den Steg geschaufelt und auch lose Blei-Klötze aus dem Kiel ausgeladen. Die Strategie ging auf.

„Mitte der 70er Jahre stand mir der Sinn nach was eigenem“, erzählt Heinl weiter. Ein 15er Jollenkreuzer, ein Knickspanter aus Eiche, 1949 in Lübeck gebaut, gefiel ihm. Aber: „Ein Liegeplatz war damals schon ein Problem.“ Beim Segler Verein Staad, wo das Boot beheimatet war, erkundigte er sich. Den Liegeplatz könne er behalten – wenn er Schriftführer im SVS mache. Die Funktionärskarriere begann. Man schrieb das Jahr 1978. „Das ist ein wunderbarer Hafen, aber der Verein hatte kein Clubheim“, so Heinl weiter. Der damalige Vorstand ließ Gelegenheiten verstreichen, um ein angrenzendes Areal zu erwerben. Erst Ende der 70er Jahre konnte ein fünf Meter breiter Uferstreifen aufgeschüttet und erworben werden, der den eigenen Zugang auch zur Südmole ermöglichte. Im November 1982 wurde Heinl überraschend Vorsitzender des Vereins direkt neben dem Hafen der Autofähre in Konstanz. Der Weg zu einem eigenen Clubheim im Hafengelände war noch ein Traum. Daher war schon vom vorherigen Vorsitzenden eine ausrangierte Fähre der Stadtwerke Konstanz, die „Linzgau“, erworben und an der Außenmole mit Pfählen verankert worden. Die Auflagen der Genehmigung für das Vorhaben waren zahlreich - unter anderem musste die Fähre fahrbereit gehalten werden. Die Zeit der Auseinandersetzungen mit Anrainern begannen. Und obendrein: Die Linzgau war nur befristet genehmigt.

Nach umfassenden Überlegungen im SVS war klar: Ein Clubhaus ist nur auf dem Wasser möglich, gegründet auf Pfählen mit Zugang vom Steg. Ein unscheinbarer Flachbau wurde geplant, mit Vereinszimmer und einigen Funktionsräumen von Sanitär bis Pantry. „Wir wurden von Widersprüchen umzingelt“, erinnert sich Heinl lebhaft an die 80er Jahre, „und mussten durch sämtliche Instanzen der Verwaltungsgerichte“ Zuletzt gab es gegen das Projekt auch noch eine Petition im Landtag von Baden-Württemberg, die aber dann doch abgelehnt wurde.

1994 war der Bau endlich fertig, rund 50 Prozent teurer aufgrund der Verzögerungen durch die Widersprüche. Aber die Geduld und das Durchhaltevermögen hatten sich ausgezahlt. „Das Clubhaus ist ein einmaliges Gebäude, ein Unikat“, schwärmt Heinl - und auf der Terrasse habe man beste Sicht auf den Obersee und obendrein „allerfeinstes „Hafenkino“.

Den Jollenkreuzer hatte Heinl ein paar Jahre später gegen einen 30er Seefahrtskreuzer, Baujahr 1930, getauscht. Zuerst segelte er auf diesem Boot nur mit, dann übernahm er den Kreuzer, als der Eigner immer länger im Ausland war. Erst 1999 gab er diesen Oldtimer auf und wechselte – vor allem seiner Frau zuliebe – auf ein komfortableres Stahlschiff mit 32 Fuß Länge und 5,5 Tonnen Verdrängung. Da war Heinl längst Vorsitzender des Landes-Segler-Verbandes.
Schon Anfang der 90er Jahre war er gefragt worden, ob er nicht im LSV mitwirken wollte. „Der schlägt sich mit allen Behörden herum - und gewinnt auch noch“, war die Empfehlung eines Bekannten. „Und ratzfatz war ich zweiter Vorsitzender.“ 1994 – vor 26 Jahren – wurde dann Reinhard Heinl Vorsitzender des LSV. Die Bauphase des Landesleistungszentrums in Seemoos (Friedrichshafen) fiel in diese Zeit, später gestaltete er den Aufbau der Geschäftsstelle und die Struktur um den Landestrainer. Als Landesvorsitzender gehörte er dem DSV-Seglerrat an, war auch zwölf Jahre dessen Vorsitzender. Gewässerschutz und Einschränkungen der Schifffahrt nicht nur auf dem Bodensee wurden zunehmend Schwerpunkt seiner Arbeit im Verband. Dennoch fasst Heinl die vielen Jahre zusammen: „Das war eine schöne Zeit. Aber solche Abschnitte müssen auch beendet werden.“

Sein weit und breit einzigartiges Wissen in diesem Bereich bleibt dem LSV erhalten, als Beauftragter für Umwelt und Naturschutz. Ausgestritten ist also noch lange nicht.

Im September hat der neu gewählte Vorstand Reinhard Heinl zum Ehrenvorsitzenden des Landes-Segler-Verbandes Baden-Württemberg ernannt. Damit soll die hohe Wertschätzung seiner jahrzehntelangen erfolgreichen und verdienstvollen Tätigkeit zum Wohle des Segelsports in Baden-Württemberg zum Ausdruck gebracht werden.
Die geplante Feier im Kreise von Weggefährten muss wegen der Corona-Pandemie leider auf das nächste Jahr verschoben werden.

V. Göbner

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